Das Schwert
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KAMPFSCHWERTER BEIM WARRIORS FEAST

Die Feast-Art zu kämpfen hat nur bedingt sportlichen Charakter, es ist allerdings noch viel weniger Schaukampf, wie man es z. B. auf Mittelalter-Märkten sieht. Der Reiz besteht darin, den Gegner zu treffen, jedoch kontrolliert und mit verhaltener Kraft, da wir keinen Körperschutz tragen.

Als Material für unsere Waffen nehmen wir Rattan. Rattan hat gegenüber Holz den Vorteil, dass es aus durchgehenden Fasern besteht und nicht splittert. Es bricht selten, zumeist wird es vorher mürbe und "matschig", d. h. es beginnt sich zu verformen. Der Bezug ist allerdings nicht so einfach; Rattanstangen werden nur von wenigen Großhändlern geführt.

KORPUS

Für die Schwerter nehmen wir Stangen mit einem Durchmesser von 30 mm und unterschiedlicher Länge, maximal 120 cm. Bei längeren Waffen und besonders Zweihandschwertern ist die Wucht aufgrund des langen Hebels so groß, dass die Polsterung keinen Effekt mehr hat.

Die Stange wird auf die gewünschte Länge geschnitten, danach werden die Schnittkanten großzügig abgerundet! Die Seiten können mit einem Hobel oder einer Raspel abgeschliffen werden, jedoch nur so weit, dass die Stabilität der Stange nicht gefährdet wird. Hierdurch können Gewicht und Schwerpunkt nach Wünschen beeinflusst werden.

PARIERSTANGE UND GRIFFSTÜCK

Der Griff kann nach eigenen Bedürfnissen nachgearbeitet werden; mitunter empfiehlt sich das Umwickeln mit Leder oder Textilklebeband. Für Parierstange und Knauf sind zwei Dinge zu beachten: Keine Löcher durchs Rattan (gefährdet die Stabilität) und keine spitzen oder scharfen Enden/Kanten. Die klassische Lösung für die Parierstange ist ein Stück Fahrradmantel, auf Länge geschnitten und in der Mitte mit einem Loch für die Waffe versehen. Das Stück wird über die Waffe gezogen und mit Textilband umwickelt und X-weise fixiert. Dies ergibt einen klassischen Kreuzgriff.

Ich habe auch mit teilweise aufgeschnittenem Gartenschlauch experimentiert; die Stabilität reicht durchaus für kürzere Parierstangen (Wikingerstil) aus, wobei Formen besser modelliert werden können. Auch Knäufe verschiedenster Form lassen sich auf diese Weise herstellen (eine weitere einfache Lösung ist ein aufgesteckter ausgeschnittener Tennisball). Wie beim Fahrradmantel wird das Ganze mit Tape umwickelt und befestigt.

Die aufwendigste, wenn auch schönste Variante ist die aus Metall. Der Vorteil, besonders von den in der SCA verwendeten Korbgriffen (die Vorbilder liefern Turnier- und Gefechtswaffen aus dem späten 17. und dem 18. Jahrhundert, insbesondere die schottischen basket-hilted Broadswords), liegt auf der Hand, der Nachteil ist die Verletzungsgefahr. Auf jeden Fall ist darauf zu achten, dass es keine hervorstehenden Teile/Bügel oder Kanten gibt. Auch Metallteile sollten mit dem Rattankörper verklebt oder mit Hilfe von Rohrschellen befestigt werden, nicht durch den Stab hindurch verschraubt. Gefährliche Kanten sind großzügig mit Klebeband abzudecken.

Mit etwas Geduld lässt sich auch aus dickem Polyethylen (Baustofftonnen) ein brauchbarer bügelförmiger Handschutz Marke "Entermesser" basteln.

POLSTERUNG

Zuletzt wird die "Klinge" der Waffe gepolstert. Wir nehmen hierfür wieder handelsübliche Rohrisolierung wie bei der Umrandung der Schilde, jedoch mit größerem Innendurchmesser. Der Schaumstoff sollte mit der "Klinge" verklebt werden (z. B. mit doppelseitigem Verlegeband), da er sich sonst zwangsläufig selbständig macht und hoch rutscht. Die Polsterung muss an der Spitze der Waffe um mindestens 50 mm überstehen, um auch etwaige Stiche (nur nach Absprache!) abzufangen. Die Spitze wird mit Duct Tape keilförmig fixiert, danach wird die ganze Polsterung überklebt. Die Polsterung ist regelmäßig auf Abnutzung (weiche Stellen) zu kontrollieren und entsprechend zu erneuern.

Das Problem bei der ganzen Geschichte ist einmal, dass die Waffe durch die Polsterung die Balance verliert, zum anderen die Tatsache, dass Rohrisolierung als Material eigentlich nicht den schockabsorbierenden Effekt hat, der eigentlich gewünscht wäre. Kämpft man mit Helm, ist es daher eine angenehme Alternative, auf die Polsterung ganz zu verzichten. Experimente mit Materialien aus dem Kampfsportsektor oder Körperschutz (Protektoren) wären vielleicht interessant, aber generell tendiere ich eher zu der Variante ohne Padding.

ANDERE MATERIALIEN

Meine Erfahrungen mit Holz als Material für Kampfschwerter sind gemischt. Auch Hammerstiele brechen, meistens gefährlich scharfkantig. Die Japaner benutzen bestimmte Hölzer für ihre Bok-Ken, doch auch hier gibt es immense Qualitätsunterschiede. Aktuell haben Carsten und ich hölzerne Übungsschwerter der Edition Drachenschmiede getestet und die schwere Ausführung für praktikabel befunden. Es ist jedoch fraglich, inwieweit sich das bei uns durchsetzt, nach einem Jahr war das erste durch, und letztlich ist Rattan immer noch das sicherste Material.

Alles in allem bedürfenWaffen aus Hartholz einer besonders eingehenden Überprüfung. Im Zweifelsfall bietet es sich an, den Holzkörper mit starkem Textil - oder Glasfaserband überlappend zu umwickeln, um im Falle eines Bruchs zu verhindern, dass Teile der Waffe umherfliegen.

SICHERHEIT

Die Schaumstoffpolsterung bringt die Waffe aus dem Gleichgewicht und macht sie langsamer, dämpft aber den Aufprall und verhindert schlimmere Verletzungen. Sicher ist dies nicht der Weisheit letzter Schluss, aber ein Kompromiss der es erlaubt, mit authentisch schweren Waffen ohne Körperschutz zu fechten. Alternativen wie die von der Association for Renaissance Martial Arts - Swords & Swordsmanship entwickelten Übungsschwerter bleiben noch zu testen, LARP-Waffen sind eher Spielzeug, weil viel zu leicht. Stahlschwerter sind auf dem FEAST, wo Alkohol in nicht unerheblichen Mengen im Fluss ist, im großen und ganzen für den freien Kampf unakzeptabel. Auch die Trainierten können unbeabsichtigte Treffer nicht ausschließen und die (sehr seltenen) Abstecher in die Unfallklinik schlagen allen Beteiligten sehr auf die Stimmung. Dies wäre umso mehr der Fall, wenn aus der Platzwunde aufgrund einer stumpfen Stahlkante eine Fraktur mit unabsehbaren Folgen würde.

Wir haben beim FEAST auch so schon genug zu tun. Alle Waffen werden von den Warlords geprüft, neue Waffen intensiv getestet. Wir haben immer ein Auge auf die Kämpfenden, können aber nicht überall sein. In jedem Fall obliegt es jedem Einzelnen zu entscheiden, wann er oder sie noch kampffähig ist oder nicht.

Mein Dank gilt Giraut Le Noir, der mich in die Technik des Turnierwaffenbaus einwies und mir einigen Schliff in seiner Anwendung gab.